Beispielhafte Zielvereinbarung zum Persönlichen Budget

Kassel: Für Karsten Eckhardt und Uwe Frevert gab es vor kurzem richtig was zu Feiern. In Kassel wurde eine beispielhafte Zielvereinbarung zum trägerübergreifenden persönlichen Budget mit insgesamt sechs verschiedenen Kostenträgern und der eigenständigen Organisation der Hilfen im Rahmen des Arbeitgebermodells erfolgreich zum Abschluss geführt.„Wir freuen uns riesig, dass sich die monatelange Arbeit und die Verhandlungen jetzt ausgezahlt haben und wir nun einen positiven Bescheid für ein trägerübergreifendes persönliches Budget in Händen halten können. Das schöne dabei ist, dass der Bescheid ein wirklich beispielhafter Abschluss einer Zielvereinbarung darstellt, der voll im Sinne des Geistes persönlicher Budgets ist“, erklärten Karsten Eckhardt und Uwe Frevert.Karsten Eckhardt hat Muskeldystrophie, nutzt eine mechanische Beatmung sowie einen Elektrorollstuhl und ist berufstätig. Um seine personellen Hilfen so individuell wie möglich, entsprechend seinen Bedürfnissen organisieren zu können, wollte sich Karsten Eckhardt von seinem bisherigen Pflegedienst lösen und die Assistenz im Rahmen des Arbeitgebermodells selbst organisieren. Hierfür stellte er mit Unterstützung von Uwe Frevert vom Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) im Mai 2006 einen Antrag beim Integrationsamt, das beim Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) angesiedelt ist. Das Integrationsamt hat zwar nur einen geringeren Kostenanteil an den gesamten Assistenzleistungen als andere Träger, doch die gute Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt war für Karsten Eckhardt ausschlaggebend, dieses als Beauftragten für den Abschluss einer Zielvereinbarung für ein persönliches Budget zu wählen.Die vereinbarte Leistungserbringung im Rahmen des trägerübergreifenden persönlichen Budgets enthält eine Reihe von Komponenten, die beispielhaft sind: Neben der Tatsache, dass das persönliche Budget zukünftig im Rahmen des Arbeitgebermodells, also von Karsten Eckhardt eigenständig organisiert werden kann, ist es mit dem Abschluss der Zielvereinbarung gelungen, sechs beteiligte Kostenträger unter einen Hut zu bekommen und die zukünftige Leistungserbringung und –abrechnung zu vereinfachen. Gutscheine der Pflegeversicherung werden darüber hinaus zukünftig mittels eines Kooperationsvertrages verrechnet, eine Dynamisierung des Gesamtbudgets ist gewährleistet, eine Schwankungsreserve für bis zu drei Monate wurde vereinbart und die Rückführung überschüssiger Finanzmittel an die Leistungsträger ist geregelt. Wichtig ist auch, dass zukünftig ein ungekürztes pauschales Pflegegeld gezahlt wird. „All dies sind enorm wichtige Komponenten für ein wirklich bedarfsdeckendes trägerübergreifendes persönliches Budget, die wir im Bescheid endlich einmal verankern konnten“, so Uwe Frevert.
Mit der Schwankungsreserve wird beispielsweise die Assistenz im Krankenhaus für Karsten Eckhardt gewährleistet und Gelder zur Einarbeitung neuer AssistentInnen sind darin ebenfalls vorgesehen. Schulungsmaßnahmen für AssistentInnen und doppelte Ausgaben im Urlaubsfall des Berechtigten, wie zum Beispiel die Unterkunft der AssistentInnen etc., sind in der Schwankungsreserve ebenfalls enthalten, wie finanzielle Anreize für AssistentInnen zur Arbeit an Sonn- und Feiertagen.
Die Zahlung des pauschalen Pflegegeldes nach § 64 Abs.3 SGB XII ermöglicht Karsten Eckhardt darüber hinaus zukünftig die Lohnbuchhaltung, die Beratung, Schulung und das Training für ihn als behinderten Arbeitgeber, sowie Regieaufwendungen für Telefon, EDV, Porto etc. zu finanzieren.
Wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und wir viele weitere bedarfsdeckende trägerübergreifende persönliche Budgets sehen werden, denn diese sind ein wichtiges Instrument, um behinderten Menschen eine wirkliche Selbstbestimmung zu ermöglichen“, so Uwe Frevert, der sich neben seiner Beratertätigkeit beim fab Kassel auch im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) für bedarfsdeckende trägerübergreifende persönliche Budgets stark macht. „Statt unser Denken an Systemen, Kostenträgern oder an Einrichtungen zu orientieren, müssen wir den Blick auf den einzelnen behinderten Menschen richten und die Hilfen für diese so ausrichten, dass es für sie passt, ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird und die Abrechnung unkompliziert vonstatten gehen kann“, fordert Uwe Frevert.
Damit das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss und auch andere behinderte Menschen und Leistungsträger von dieser Zielvereinbarung lernen können, dokumentieren wir im folgenden einige dazugehörige anonymisierte Dokumente zur Nachahmung.
Berichte assistenznehmender Menschen mit Krankenhauserfahrung
Veröffentlicht am 1. Dezember 2006 in folgenden Kategorien: Meldungen, Aus den Zentren, Persönliche Assistenz, Forum Persönliches Budget







4 Antworten
Lieber Karsten, lieber Uwe,
ich habe Eure Zielvereinbarung und den Kooperationsvertrag gelesen. Ohne alle Details geprüft zu haben, finde ich Euer Konzept hervorragend. Herzlichen Gückwunsch!
Darf Eure Vereinbarung für einen Vorstoß hier in Bremen verwenden?
Herzliche Grüße Horst
Finde diese Aktivitäten hervorragend. Bin ebenfalls mit dem PersB erfolgreich gewesen, allerdings nur bei der Teilhabe am Arbeitsleben für vier Berechtigte, die ihre Berufsbildung nicht in eier WfbM absolvieren wollen, sondern in unserem Integrationsbetrieb (Hotel Regenbogenhaus
gGmbH Freiberg). Seit 20.November 2006 sind vier junge Leute bei uns. Sie erhalten die finanziellen Mittel für ihre Berufsbildung und erkaufen sich diese bei uns. Unser Leistungsangebot wurde von der Arbeitsagentur akzeptiert, wir erproben hier in Sachsen mit.
Ich bin Vorsitzende des Regenbogenhaus e. V., der Gesellschafter der gGmbH ist.
Frohe Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2007, vor allem auf dem Gebiet des PersB.
Freundliche Grüße
R. Kretzer-Braun
Hallo,
ich finde Euren Beitrag sehr gelungen. Allerdings gehört eine Menge Mut dazu, dies umzusetzen. Ob dieses Modell letztendlich auch für mich in Frage kommt, bedarf einer gründlichen Abwägung.
Nicht, dass ich Angst davor hätte, meine Geschicke selber in die Hand zu nehmen, schließlich war ich lange Jahre selber Arbeitgeber.
Vor beinahe 3 Jahren habe ich mein jetziges Pflegepersonal von meinem vorherigen Pflegedienst mitgebracht und bin zu einer Pflegefirma gewechselt, die diese Pflegekräfte aufnahm. Seither werde ich fast ausschließlich von diesen, von mir mitgebrachten Pflegekräften betreut und versorgt. Alles wird über die Krankenkasse und das zuständige Sozialamt bezahlt. Ich habe Pflegekräfte, die mir liegen und einen eigenen Tagesablauf erstellt. So beginnt mein Tag um 06.00 und endet um 00.30 h. Ich bin von dem Pflegedienst völlig autark. Ob bei mir also eine Notwendigkeit für ein persönliches Budget besteht?
Gruß
Thomas
Hallo Thomas,
du praktizierst einen intressanten Tagesablauf als behinderter Mensch, Hut ab. Ich bin selber behindert und würde mich über einen Gedankenaustausch freuen.
LG Meike