Umsetzung der UN-BRK in der Psychiatrie:

Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?

Eva Buchholz mit Plakat: Nichts über uns ohne uns! (c) Franziska VuVom 8. bis zum 12. Oktober 2017 findet in Berlin der 17. „Weltpsychiatriekongress“ der World Psychiatric Association (WPA) statt, organisiert und durchgeführt von der deutschen psychiatrischen Fachgesellschaft DGPPN. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL ist im Kongressprogramm mit einem eigenen Symposium beteiligt (Chair: Eva Buchholz, Co-Chair: Dr. Sigrid Arnade). Am 10. Oktober 2017, im deutschsprachigen Programmteil des Kongresses, thematisiert sie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Psychiatrie und fragt: „Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?“ In drei Einzelvorträgen sowie einer anschließenden Diskussion mit dem Publikum und Vertreter*innen aus der Politik (angefragt) werden menschenrechtliche Probleme in der Psychiatrie und die bislang mangelhafte Umsetzung der Vorgaben aus der UN-BRK diskutiert. „Die UN-BRK wurde von Deutschland ratifiziert, in Kraft ist sie seit 2009, sie stellt geltendes Recht dar und muss nun endlich auch in der Psychiatrie umgesetzt werden“, so Eva Buchholz, gesundheitspolitische Referentin der ISL. „Es gibt nach wie vor gravierende menschenrechtliche Probleme in der psychiatrischen Versorgung. Diese müssen endlich angegangen werden!“ Darauf hat auch der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung hingewiesen, der in seinen Abschließenden Bemerkungen zum ersten Staatenbericht Deutschlands 2015 eine menschenrechtsbasierte Überprüfung psychiatrischer Dienstleistungen angemahnt hat.

 „Ärzte sind sich oftmals gar nicht darüber im Klaren, wie würdeverletzend psychiatrische Behandlung von Patienten mitunter erlebt wird – und wie häufig dies der Fall ist. Wenn es dann doch mal von Patienten geäußert wird, heißt es dann schnell: Das sind nur Einzelfälle oder Extrembeispiele“, so Eva Buchholz. „Das ist aber nicht richtig. Solche Aussagen kommen zustande, weil in der Psychiatrie immer noch nicht genug miteinander gesprochen wird. Und es geht nicht nur um die Gespräche in der Behandlung – die oftmals alles andere als ausreichend sind. Es geht darum, Selbstvertretungsorganisationen wie Psychiatrieerfahrenen-Verbände, andere Betroffenenverbände, aber auch Angehörigenverbände konsequent und kontinuierlich einzubinden, wenn Konzepte für die psychiatrische Versorgung erarbeitet werden.“ Dies ist insbesondere mit Blick auf die DGPPN anzumerken, die derzeit erste Überlegungen zu einem Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK anstellt, die sie auf dem Weltpsychiatriekongress vorstellen wird. „Nichts über uns ohne uns!“ lautet das Partizipationsgebot aus der UN-BRK; das bedeutet: Betroffene sind zu beteiligen.

Auch bei einer neuen Psychiatrie-Enquête (einer vom Deutschen Bundestag eingesetzten unabhängigen Kommission, mit inhaltlichem Schwerpunkt, z.B. Überprüfung der Menschenrechtslage in der Psychiatrie) müssten Betroffene und ihre Verbände umfassend beteiligt werden. Dies soll während des Symposiums am 10. Oktober 2017 diskutiert werden. Ausführliche Informationen zum Symposium der ISL e.V. finden sich im beigefügten Ankündigungsflyer sowie unter den genannten Links.

Vor dem inhaltlichen Beitrag auf dem WPA-Kongress nimmt die ISL e.V. an der Kundgebung des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE) am 8. Oktober 2017 vor dem Messegelände teil und demonstriert für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie (s. Flyer im Anhang). Auf der Kundgebung ist die ISL mit einem Redebeitrag von ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade vertreten („Selbstbestimmung ohne Wenn und Aber!“), Thomas Künneke vom Kellerkinder e.V. (Mitgliedsorganisation der ISL) spricht über den „Zwang zur Diagnose und zur Krankheit“.

Ansprechpartnerin:
Eva Buchholz, M.A.
ebuchholz(at)isl-ev.de

Infos zum Kongress (Programm, Anmeldung, Teilnahmegebühren)

Anhang

  • Ankündigungsflyer zum ISL-Symposium auf dem WPA-Kongress, 10.10.2017 („Umsetzung der UN-Behindertenrechtkonvention in der Psychiatrie: Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?“)
  • Flyer des BPE e.V.: Einladung zur Demonstration für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt, 8.-9.10.2017. Der Flyer ist auch von der Webseite des BPE e.V. downloadbar: http://www.bpe-online.de/termine/2017-10-09.pdf
Anhänge:
Diese Datei herunterladen (Flyer_Demo für Menschenrechte u gegen Zwang u Gewalt in der Psychiatrie.pdf)Flyer des BPE zur Demo[ ]2211 kB
Diese Datei herunterladen (ISL-Symposium auf WPA-Kongress_10.10.2017.pdf)Flyer zum ISL-Symposium[ ]769 kB